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Tagungsresümees

Im abschließenden Resümee teilten sich je ein Vertreter der eher theoretisch-wissenschaftlichen und der aus der Praxis kommenden Perspektive auf die Arbeit mit Zeitzeugen die Aufgabe, die vorangegangenen Diskussionen der Tagung in Hinblick auf konzeptuelle, methodische und pragmatische Fragen zu den Funktionen von Zeitzeugenschaft in der Geschichtskultur zusammenzufassen.

Peter Paul Schwarz (Zeitpfeil)

Peter Paul Schwarz

Der Germanist und Historiker Peter Paul Schwarz gab seinen subjektiven Eindruck der Diskussion zum Konzept von Zeitzeugenschaft in der Geschichtskultur wieder. Dabei zeigte er begriffliche Ambivalenzen und praktische Probleme der Zeitzeugenarbeit auf und machte auf zu füllende methodische Leerstellen aufmerksam.

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Zunächst hob Schwarz hervor, die ‚Opfer-Täter-Dichotomie‘ beschäftige offenbar viele der Teilnehmenden. Von einer Vermeidung normativer Rollenzuschreibungen oder von deren Reflexion könne die DDR-Aufarbeitung profitieren, insofern sie helfe, ‚Blockaden aufzulösen‘. DDR-Zeitzeugenschaft basiere zwar auf den etablierten geschichtskulturellen und geschichtspolitischen ‚Mustern‘, forme sich aber momentan konkret anders aus als im Kontext der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Das ‚unmittelbare Geschichtserlebnis‘ werde gerade durch den Verzicht auf feste Rollenerwartungen ermöglicht. Wichtig sei darüberhinaus, ob von der Figur des Zeitzeugen als einer öffentlichen oder in anderen Kontexten die Rede sei.

Eine ambivalente Einstellung gegenüber der Frage der ‚Konservierbarkeit‘ von Zeitzeugenschaft biete die Möglichkeit, den Zeitzeugenbegriff zu erweitern. Die bisweilen von Zeitzeugen geforderte und ihnen zugeschriebene ‚Authentizität‘ hingegen könne ohne die nötige Distanz eine einmal eingenommene Rolle festschreiben und Zeitzeugenschaft somit ‚konsumierbar machen‘. Die Fragen, wie spezifische Erwartungen auf Zeitzeugen einwirken und welchen Einfluss diese wiederum auf ihre ‚Rezipienten‘ haben, sei nicht nur mit Blick auf die Frage der ‚sekundären Zeugenschaft‘ oder auf die Tatsache, dass Zeitgenossen erst durch Adressaten zu Zeitzeugen werden, komplex.

Schwarz problematisierte, der geschichtskulturelle Wandel, den Zeitzeugenschaft hin zur ‚Meistererzählung‘ durchlaufen habe, führe in der medialen Vermittlung auch zu einem Ort- und Geschichtsloswerden von Zeitzeugen; ihre ‚Universalisierung‘ sei so zugleich ihre ‚Entmachtung‘. Außerdem benannte er einige Leerstellen der praktischen Zeitzeugenarbeit, wie etwa die Behandlung der Zeit nach 1989/90 und sozialer oder ökonomischer Fragen.

In den Ausdrucksformen von Literatur und Theater seien besondere Aspekte der Inszenierung von Zeitzeugenschaft zugunsten des ‚subjektiv Wahrhaftigen‘ deutlich geworden. Auch in der Oral History werden mittlerweile Zeitzeugenberichte auf ihre Darstellbarkeit ‚geeicht‘. Durch solche vielfältigen und vielfältig ‚einsetzbaren‘ Typen von Zeitzeugenschaft werde ihr Potenzial in verschiedenen Kontexten sichtbar.

Stefan Querl

Stefan Querl

Stefan Querl vermerkte, es bestehe ‚offensichtlich kein common sense zu DDR-Vermittlung‘; die Mehrheitsgesellschaft spiele eine zu geringe Rolle, da eine ‚Opferzentrierung‘ im Sinne einer ‚Würdigung‘ Konfliktfiguren des Kalten Krieges fortführe.

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Er plädierte daher dafür, ‚nicht so deutsch zu arbeiten‘, sondern im Geiste einer ‚informierten Empathie‘  auch Perspektiven von Zeitzeugen aus mittelosteuropäischen Staaten einzubeziehen.

Zum Schluß verabschiedete Susanne Schäffner die Teilnehmenden.

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